19.08.06 – 0124

Orgasmen nur noch in Vollmondnächten?

Ja, vielleicht…

ein Augenblick Zufriedenheit mit dem, was ist, Versöhnung mit der Situation, nicht ohnmächtig, sondern kraftvoll. Ich selbst. Ich allein. mit einer Million Worten.

erinnerte Kontraste, Trennschärfe.

ich bin dieser Tage und Jahre nicht zufrieden, und genau das fehlt mir.

Unterschwellig strahle ich das aus.

Ich bin nicht wie die schöne B.. Das ist nicht Verzweiflung, das ist Unzufriedenheit, und diese Unzufriedenheit ist keine Frage übersteigerter Erwartungen und Anhaftungen, sondern eine Frage der Energie, auch sexueller. Gerade dieser Energie, meiner Schöpfungskraft.

Und der Schlüssel um das zu ändern lautet: schreiben.

Orgasmen nur noch an Vollmondnächten?

das ist nett aber zu wenig

19.07.31 – 2249

heute gelesen:

Sylvia Plath konnte vier mal täglich ihre Stimmung ändern. 

beeindruckend. 

anstrengend.

mich überfordern schon drei Mal.

mitunter hilft bei starken Seegang nur der Blick auf die Sterne. der Horizont selbst ändert sich allenthalben mit jeder Welle und unsere Unsterblichkeit ist die einzige Hoffnung im Angesicht einer Unendlichkeit, die einen jederzeit angrinsen kann wie das Entsetzen selbst.

daher das erste Gebot des Alexandrismus:

immer locker bleiben

es gibt auch ein Mantra dafür, nur leider nicht in Sanskrit.

es lautet: ‚ich muss gar nichts‘

nichts tun, nichts darstellen, nichts sein.

Freiheit hat auch etwas damit zu tun, sich dessen bewusst zu sein und gegebenenfalls danach zu handeln.

19.07.27 – 0144

ich schreibe über post-orgiastische Enttäuschung um die Täuschung zu erkennen und verliere meinen Text.

Verzweiflung ist die Folge…

Brauche ich überhaupt meine Sexualität?

Hat es einen Sinn ein sexuelles Wesen zu sein? macht es einen für mich?

meine Sexualität kommuniziert keine Energie, weil da niemand ist.

es gibt kein Uns, kein Wir, kein Du.

Sinn…

Sinn ist ein Kommunikationsfaktor…

Nein. ich fürchte meine Sexualität ist sinn- weil nutzlos.

ich selbst verwende sie eher zum Gefühle regulieren, aber jedem Orgasmus folgen nur negative Gefühle. Deswegen meide ich ja schon seit längerem Orgasmen, nur hat mich gerade das ja lange Zeit nur noch mehr sexualisiert.

da ich keinen Ausweg aus diesem Dilemma erkennen kann, wäre es vielleicht das Beste, da einen Strich drunter zu machen, mein Alleinsein und meine Einsamkeit anzunehmen und zu akzeptieren, und mich anderen Gedanken zu widmen.

ich bin sinnlos, aber nicht nutzlos, und es wird sich schon etwas finden, das mich hinreichend Freude empfinden lässt, um mein Leben zu ertragen.

Nicht zuletzt kann ich mich ja auch in meine Traumwelt schreiben, und mein Leben ablegen, wenn mein Kind alt genug ist, um seinen eigenen Weg selbst und sicher gehen zu können, und das Wichtigste geschrieben ist.

ob Du das liest, Chrissi?

ich denke oft an Dich

und ich hoffe, dass Ihr glücklich seid

19.07.26 – 2047

liegt es an dieser Hitze oder meinem Gefühl von Ausweg- und Aussichtslosigkeit?

ich verliere die Freude an meiner eigenen Lust, und nachfolgend zu dieser Feststellung stellt sich mir die Frage nach einem Entschluss zur Enthaltsamkeit.

um etwas gesagt zu haben, sagte mir heute jemand ‚die Hoffnung stirbt zuletzt‘ und ich dachte mir ‚aber sie stirbt, und Du lebst immer noch‘.

ich mag auch gar nicht mehr sprechen, wozu auch?

um irgendeine Art von Bestätigung zu erfahren? wozu, wofür?

das ist ein ganzes Knäuel von Gefühlen und Gedanken, in dem ich da fest stecke, irgendwie.

ich werde das auflösen müssen, aber im Augenblick fehlt mir die Kraft dazu.

was ist sinnvoller?

auf den Wunsch zu verzichten, oder die Erfüllung des Wunsches?

man könnte meinen Ersteres, aber ist das wirklich so?

eine andere Frage:

wen interessiert das?

wer hat in dieser Hinsicht irgendein Interesse an mir, unabhängig von der Motivation dahinter?

der berüchtigte Sack Reis in China – das bin ich.

Bin ich das?

wie und warum habe ich mich in diese Situation gebracht, und wie löse ich sie sinnvoll auf?

Für einen Freitag Abend mit 32 Grad sind das ganz schön viele Fragen!

19.06.30 – 0234

Gestern Mittag träumte ich den Verlust meiner Familie und musste unter diesem Eindruck weinen. in einer Yogastunde, die an sich wirklich sehr schön war.

C verstand das nicht, aber wie sollte sie auch?

den schmalen Ausschnitt, den wir von einem Menschen wahrnehmen, dieser Ausschnitt, der schon Schnittmenge dessen ist, was wir zu zeigen fähig sind, und was davon wahrgenommen wird, setzen wir in Bezug zum plausibelsten Rahmen.

Der Verstand interpretiert um Erklärungen zu finden.

C versuchte mich zu Heiterkeit und frohem Sinn anzustubsen.

Die Absicht ihres Fühlens war ohne Tadel.

Gauri bat uns unseres Herzenswunsches gewahr zu werden, und Narayani um Erfüllung zu bitten.

ich wünsche mir eine intakte Familie, die Chance auf eine intakte Familie.

eine Liebesbeziehung die lebendig und erfüllend bleibt, die es mir und meiner Partnerin aufträgt und ermöglicht wirklich zu wachsen an einem Uns.

und Kinder, die darauf vertrauen lernen können, Kinder die das herausfordern, und denen ich mich widmen kann, auf dass sie weise und glücklich werden können.

ich will mich verschenken dafür, dienend, liebend, aber nicht verkaufend.

Serve, Give, Love, Purify, Meditate, Realize.

so wie Hochmeister Sivananda es formulierte, und wir es Abends im Satsang sangen.

aber das ist ganz schön viel Wunsch.

und ich zweifle an Devi, weil ich enttäuscht bin, und ich weine.

ich weine, weil mir meine kleine Tochter so sehr fehlt, und ich das Gefühl habe, sie zu verraten, egal was ich tue.

wenn dieses Gefühl nicht mich, nicht meine Integrität zerreiben soll, was dann?

welchen Gedanken? welches Gefühl?

und mehr noch als mein eigenes Glück, wünsche ich dieses Glück meiner geliebten kleinen Tochter.

in und durch die Liebe wachsen zu können, und nicht in Mangel an Liebe und durch Lieben, wie ich es erlebe.

Aber ich kann das Schicksal meiner Kleinen nicht sehen.

Gebe Gott, dass ich mehr tun kann, als ich für möglich halte, um es in den wichtigen Momenten zum Besten zu wenden.

magst Du mein Glück zum Opfer nehmen, Devi, um es meinem Kind zu schenken?

und falls ja: ist das Dein Wesen?

wenn dem so ist, dann nehme es bitte und schenke es ihr.

und falls nicht:

nimm meine Tränen und hilf uns allen, Liebe zu leben und zu erleben. Bitte :-*

als ich aus dem Ashram zurück kehrte fand ich den Scheidungsantrag

19.06.07 – 0042

Verschwinde. Wir wollen Dich nicht. Wir haben Dich nicht gerufen.

Arthur ist mit Sicherheit ein ungewöhnlicher Vorname für ein Kind koreanischer Eltern.

Wir lernten uns kennen als wir neun Jahre alt waren, und Arthur war ein außergewöhnlicher Junge. Dick, vom Schulsport befreit und uns anderen um Jahre im Schulstoff voraus. Ein Streber wie aus dem Bilderbuch, scheinbar, denn tatsächlich interessierte sich Arthur für die Dinge, und nicht etwa für die Noten. Ich wüsste aber auch nicht zu sagen, ob er in einem Fach schlechter als ’sehr gut‘ war.

Arthur wusste immer alles, was mich allerdings wenig beeindruckte.

ich mochte ihn, und das was mich an ihm wirklich beeindruckte war die Art, wie er mit dem Spott und der Häme der anderen umging.

Während ich versuchte beidem auszuweichen, einen Platz zu finden, irgendwie, während ich mich fragte, was zu tun sei, um als ‚ich‘ angenommen und nicht verfolgt zu werden, las Arthur Bücher über Elektrotechnik und Kernphysik. Er erzählte Witze über Wissenschaftler, die keiner verstand.

Das enthob ihn nicht nur unser aller Liga.

Wie er sich über einen solchen Witz stundenlang amüsieren konnte, enthob ihn auch allem Spott, aller Häme.

Gegen Ende unserer Grundschulzeit hatten die anderen ihre Hänseleien längst aufgegeben.

Dass Arthur aufs Gymnasium gehen würde war glasklar, ebenso wie es deutlich war, dass mein Weg zur Hauptschule führen würde. Aber ich versprach ihm, dass wir uns dereinst auf dem Gymnasium wieder sehen würden.

Drei Jahre brauchte ich, und das Glück auf der Hauptschule einen Lehrer zu finden, der das mir voraus eilende Urteil bewusst ignorierte, um ebenfalls aufs Gymnasium zu kommen.

Arthur und ich indes begegneten uns erst ein Jahr nach dem Abitur wieder.

Und es war ein gänzlich anderer Arthur.

Schlank, langhaarig und schön, ein Mädchenschwarm.

Das Abitur hatte er noch mehr vermasselt als ich, und während wir in trauter Runde einen Joint nach dem anderen kreisen liessen, erzählten wir einander vom jeweiligen ‚Früher‘.

Es war ein heißer Tag im August. Wir saßen zu viert unter der Pergola im Garten meines damals besten und einzigen Freundes, er, Arthur, die Frau die ich hoffnungslos liebte, ich. Und jede Menge Gras, Süßgetränke und Bier. 

Wespen nervten uns.

Wir überlegten nach drinnen zu gehen, in den Keller, wo es dunkel und kühl sein würde, und in den Lichtschächten weiter zu kiffen, doch Arthur hatte eine bessere Idee. Dass es sinnlos und gefährlich ist, nach Wespen zu schlagen, war uns klar, aber Arthur schlug vor, wir sollten zu den Wespen sprechen. Buddhisten, so erklärte er, würden Wespen vertreiben, indem sie folgende Worte sprechen:

‚Verschwinde, wir wollen Dich nicht, wir haben Dich nicht gerufen.‘

Seit jenem Tag spreche ich zu Wespen und Bienen. Bei Bienen klappt das immer, bei Fliegen so gut wie nie, bei Wespen meistens.

‚Verschwinde, wir wollen Dich nicht, wir haben Dich nicht gerufen.’…

Diese Worte spreche ich nicht mehr.

Auch nervende Wespen wollen nur leben und sind genau wie wir auf der Suche nach Nahrung. Ich habe mir angewöhnt, sie aufzufordern woanders ihrer Arbeit nachzugehen, und dort fleissig zu sein, und auch das wirkt.

‚Verschwinde, wir wollen Dich nicht, wir haben Dich nicht gerufen.’…

diese Worte tun mir fürchterlich weh. es sind die Worte vor denen ich mich fürchte.

Ablehnung, Ausgrenzung.

ich gehöre nicht dazu. ich soll verschwinden, ich bin nicht gewollt. niemand ruft nach mir.

Noch nicht einmal vor dem Tod habe ich wirklich Angst. Ich weiß, was davor war und danach ist. Gewiss, so richtig angenehm ist das nicht, den Körper zu verlassen, aber wieder zurück ins Licht zu gehen, in die Große Liebe, oder aus ihr wieder hinein zu gehen in die feste Welt.

oder woanders hin… Daran ist kein Schrecken. Wir enden nicht, wir verlieren uns nicht, wir verlieren auch einander nicht. Wir sind eins und viele, und wir schreiben eine Geschichte, die niemals enden wird.

Aber abgelehnt zu werden – das fürchte ich. Das ist meine Angst. Antlitz meines Schattens.

Viele Tränen habe ich geweint am vergangenen Tag.

was bin ich für ein Monster in meinem Schatten.

und ich weiß nicht, was ich tun soll, um dieser Angst Herr zu werden.

und immer wieder drängt der Schatten danach, sich meines Geistes zu bemächtigen, und erzählt Lügen, die mein Herz zu schliessen versuchen.

Und ich weine aus Mitgefühl für mich selbst.

Tränen anstelle von Selbstmitleid.

und ich spüre, dass ich genau diese Haltung brauche, um verbunden zu bleiben in der Liebe.

ich brauche Mitgefühl

Lokah Samastah Sukhino Bhavantu

und künftig will ich keine Wespe mehr fortschicken. So sie kommt, will ich sie einladen teilzuhaben und ihr abgeben, von dem was wir beide begehren.

Und wo immer Arthur jetzt auch sein mag:

möge er glücklich sein, und möge seine Weisheit den Menschen dienen, auf ihrer Suche nach Glück und Wahrheit.

So Gott will, werden wir uns wieder begegnen, auf irgendeiner Höheren Schule des Lebens.

19.05.22 – 0027

vergangene Woche im Ashram wogte meine Antwort auf die Frage ob ich dort als Sevaka leben, lernen, dienen und wirken möchte hin und her, zwischen meinem Herzen und meinem Kopf.

und kaum hatte ich den Ashram verlassen, klärten sich die Fragen in meinem Kopf:

Ja. Ich will dort leben.

um durch Dienen zu lernen, mit offenem Herzen zu leben.

um Yoga zu lernen.

um für das Gute, Wahre und Schöne zu wirken.

und um zu lieben. 

Doch Swami Divyananda antwortet nicht, und mein Mangel an Geduld stellt Fragen, die meine Wunden berühren und meine Muster reflektieren. Fragen die mir nicht beantworten, warum sie nicht antwortet, Fragen die viel mehr weh tun.

Und doch sind es diese Fragen, die weh tun, die entscheidend sind, eben weil sie weh tun, und ihre Antworten helfen zu ent-täuschen.

Wir täuschen uns alle. Wir alle machen uns etwas vor, und treffen Entscheidungen, bewusst oder unbewusst in einem Spannungsfeld falscher Annahmen, guter Hoffnungen und deprimierender Ängste, und nur Erkenntnis mag Licht sein in diesem Nebel aus Gedanken und Gefühlen.

schweigende Antworten haben sich in den vergangenen Monaten ja irgendwie zu einem echtem Phänomen entwickelt, aber am Ende aller Fragen blieb und bleibt immer nur die Frage, wer ich sein will, verbunden mit der Frage, was ich tun kann, um das oder derjenige zu sein.

Im Ashram kristallisierte sich für mich heraus, dass ich nirgendwo wirklich erwünscht bin, und es von daher auch keine Rolle spielen würde, ob ich dort bliebe oder nicht. An jedem Ort werde ich mir einen Platz verdienen müssen, und so einigermaßen wird das nur funktionieren, wenn ich mein Wissen in Kraft verwandle.

Und jahrelang beschäftigte mich die Frage, warum mir das nicht gelingt.

Yoga beantwortet diese Frage.

es reicht nicht zu wissen – es gilt zu tun.

es geht um Sadhana, um das Üben, um das Praktizieren. Ums Tun.

Daraus entsteht Kraft.

Genauer gesagt, ums richtige Tun, aber auch da formuliert Yoga das Wissen um das richtige Tun.

es wäre so schön und hilfreich, könnte ich dort im Ashram hinein wachsen ins Richtige Tun, mein Wissen in Kraft verwandeln, in Sein und in Können, zu meinem und zum Wohle aller.

Aber wird Swamiji antworten?

Und wenn ja: was wird sie sagen?

Nun… wie immer die Antwort lauten oder schweigen wird: ich will sie annehmen.

ich will sie annehmen, weil es ob so oder so wieder zu der Frage führen wird, wer ich sein will, und zumindest das ‚was‘ ohnehin schon fest steht:

Liebe will ich sein

und Kunst

und Freiheit.

19.05.07 – 0117

ich bin nicht krank.

Nicht etwa weil ich das nicht wäre, oder weil tatsächlich unsere ganze Zeit und Welt krank ist. Und sehr wohl hat das Eine auch mit dem anderen zu tun, aber was hilft das? und wem?

ich bin nicht krank, weil ich den Zustand von Krankheit nicht akzeptiere, ihn nicht hinnehme, und das aus zwei Gründen.

Zum Einen erscheinen mir die therapeutischen Methoden als eher fragwürdig denn hilfreich. Ohne Zweifel: sie können hilfreich sein, aber für wen, und welche Zielsetzung, welcher Horizont und welches Weltbild stecken darin?

Soll ich rasch wieder fit werden für den Markt und unterwegs als Patient nutzbringend sein für Pharmaunternehmen und Therapeuten?

Alles irgendwo im Rahmen von Normal? Normiert?

Unser Leben, unsere Existenz und damit mein Leben und meine Existenz ist ein Wunder.

Und die Maßstäbe an denen das gemeinhin gemessen wird, schlimmstenfalls als Erfolg, bestenfalls als Glück sind beide kurzsichtig. Und verraten über Erfolg wie über Glück eher wenig.

Beides ist mehr Frage von Gnade als Mühe.

Zum Anderen, und eigentlich Entscheidenderem:

anzunehmen, ich sei krank nagelt mich fest in den Vorstellungen, die andere davon haben. Tatsächlich aber hat meine Heilung eher damit zu tun, mich von Vorstellungen zu befreien, an die mich selbst genagelt habe und habe nageln lassen.

Mein subjektiv erlebtes Außen ergibt sich aus meinem objektiv konstruiertem Innen.

Mein Glauben erschafft meine Welt.

Das ist der ‚Zaubertrick‘, nur dass es mir nie gelang dem Innen Herr zu werden, Herr meiner Gedanken, Herr meines Denkens.

Ob das überhaupt möglich ist?

Ich denke schon, wenngleich auch nur in begrenztem Maße.

Wie die meisten Menschen weiß auch ich eher, was ich nicht will, denn was ich will, definitiv aber nicht, was ich noch wollen könnte, von dem ich noch gar nichts weiß.

Und ganz konkret betrachtet sind es bei mir Gedanken der Wert- und Sinnlosigkeit, der Hoffnungslosigkeit, die sich in allerlei Gewändern getarnt immer wieder Zugang zu meinem Bewusstsein verschaffen.

Erlebtes Leid, vergebliche Liebe, Verlassenheit, eingebrannt in Körper und Gefühl, tausendfach erklärt, ein nimmer endendes Echo, jedes Empfinden und Betrachten eine negative Verstärkung.

Inzwischen bin ich soweit anzunehmen, alles und jeder lehne mich ab.

Das ist Unsinn, und ich weiß das.

Trotzdem ist dieses Gefühl schwer zu bändigen.

Warum ist das so?

Ich mag nicht glauben, es läge nur an einem unausgewogenen Verhältnis der Neurotransmitter.

Oder verdrängtem Erleben, einer bescheidenen Kindheit, einem Mangel an griffigen Analysen, oder inadäquater Bewältigungsstrategien.

All das spielt zwar eine Rolle, aber ich denke, entscheidend ist meine Kompetenz und Stärke selbst zu wollen, und zu wissen, wer ich selbst sein will, und zwar soweit als möglich unabhängig vom sozialen Kontext. Eine Stabilität, die sich nicht erschüttern, biegen oder brechen lässt, die sich nicht anpasst, an nichts und niemanden, ein Ich, das bleibt.

In dieses Ego muss ich einziehen.

Ist das Größenwahn? oder Hybris?

vermutlich wäre es das ginge es mir um Wiederfahren, um Resonanz, um Erfolg. Aber es gibt kein Recht auf Gnade, vielleicht aber auf Glück? Nicht auf ein Glück, das von außen kommt, sondern jenes, das dem Leben inne wohnt?

auf jeden Fall gibt es ein Recht sein Leben einem Gedanken zu widmen, einem Tun. 

und Tat und Gedanke sind mir schon lang bekannt: Liebe, Kunst und Freiheit.

Allein von den Gedanken, was das zu bringen hat, was es bewirken soll, muss ich mich lösen, soll es etwas bringen, etwas bewirken. 

Liebe will Lieben, nicht Beziehung.

Kunst will zeigen, nicht darstellen.

Und Freiheit Bewusstsein, nicht Macht.

Meine ganze Krise ist Chance. Chance daran ein- und unter zu gehen, oder zu verstehen und umzusetzen.

ich bin nicht krank – ich bin ich.

19.04.30 – 2250: Walpurgisnacht

suchen, finden? wen? wozu?

ich bin nicht der, der ich sein will, noch nicht. und auch das ist eine vielschichtige Angelegenheit, denn kein Mensch ist eine Insel, oder doch?

Ist doch jede Insel, gleichwohl von anderen Inseln durch den Ozean getrennt, durch die Erde selbst verbunden mit ihr und allen anderen.

ich wünschte mir eine Gefährtin, einen gemeinsamen Weg durch dieses spannende Leben, diese spannende Welt.

ein Füreinander-Sein, Erfüllung…

aber liegt dem Gedanken an Fülle nicht schon der Mangel gegenüber?

bedingt das eine das andere?

Ob es nun Defizite meinerseits sind, und die sind fraglos vorhanden, oder ob es Schicksal ist, Karma, Vorsehung oder Aufgabe: aus meiner Suche wurde kein Finden, und ich will das akzeptieren.

Unbenommen bleibt mir der Gedanke, dass ich gut bin, wie ich bin, aber gut genug für andere Menschen? Für einen anderen Menschen? Für mich selbst?

Ich werde mir vermutlich nie selbst genug sein, aber diese Welt und dieses Leben in ihr sind so komplex und so wunderbar. Das wird mir genug sein, auch ohne Liebesbeziehung, ohne ein Du, ohne ein Wir.

Es tut weh, aber ich will die Einsamkeit umarmen.

Vielleicht gibt es auch keinen anderen Weg Eins-Sein zu erfahren, vielleicht gilt das aber auch nur für mich?

Ich weiß es nicht. Ich bin nur einer von Unzähligen in einem Kosmos, der schwer zu erkennen ist, nur eine Insel.

19.04.25 – 0123

ich bin so enttäuscht, dass ich es nicht in Worte fassen will. unweigerlich folgen auch so schon Gedanken, die mein Herz in die Tiefe ziehen.

Konstruktiv, nein eher operativ ist die Frage worin genau ich mich täusche und täuschte.

Schmerzen in meinen Fingern weisen mich auf den gefrässigen Abgrund des Selbstmitleids hin, und ich will das Spezielle nicht verallgemeinern.

ich will gestärkt aus all dem hervor gehen, mittiger, zentrierter, verbundener, und nicht verwundeter, als ich eh schon bin.

und hey: ich habe mir gestern Inliner zugelegt, und letzte Nacht, nun ja – eher an, als ausprobiert.

Als Kind hatte ich mir mal sehnlichst Rollschuhe gewünscht, und auch bekommen. Allerdings hat mir nie jemand gezeigt, wie man damit fährt. Protektoren gab es damals noch gar nicht, und nachdem jeder Versuch von mir immer schnell auf den Knien oder dem Arsch endete, hatte ich die Sache ziemlich schnell aufgegeben. Selbiges übrigens bei Schlittschuhen. Da war ich elf oder zwölf, und nachdem ich sogar an der Bande mich festhaltend dauernd nur hingefallen bin, beschloss ich ’sowas‘ künftig sein zu lassen. Man muss sich wirklich nicht körperlich schmerzhaft zur Zielscheibe von Spott und Gelächter machen. 

Auf die Idee Inlineskating zu lernen, kam ich erst Jahre später. Ich kann gar nicht sagen, wann das war. Irgendwann stand es auf meiner Bucket-List (auf der übrigens noch einiges steht).

Und nun hat mein Töchterchen von ihren Großeltern zu Ostern Rollschuhe bekommen. Aber niemanden, der ihr zeigt, wie es geht – außer mir.

Nachdem sie am Sonntag damit gestürzt ist, und ich wenig mehr tun konnte, als sie zu trösten und sie zu einer unspezifischen Gleichgewichtsübung anzuleiten, habe ich ihr versprochen, es mit ihr zusammen zu lernen.

Unserer Zeit und Youtube sei Dank, gibt es heute im krassen Gegensatz zu meinen persönlichen Erfahrungen sogar Anleitungen für Leute die das nicht auf Anhieb können. 

Danke lieber Gott für das Internet.