19.06.07 – 0042

Verschwinde. Wir wollen Dich nicht. Wir haben Dich nicht gerufen.

Arthur ist mit Sicherheit ein ungewöhnlicher Vorname für ein Kind koreanischer Eltern.

Wir lernten uns kennen als wir neun Jahre alt waren, und Arthur war ein außergewöhnlicher Junge. Dick, vom Schulsport befreit und uns anderen um Jahre im Schulstoff voraus. Ein Streber wie aus dem Bilderbuch, scheinbar, denn tatsächlich interessierte sich Arthur für die Dinge, und nicht etwa für die Noten. Ich wüsste aber auch nicht zu sagen, ob er in einem Fach schlechter als ’sehr gut‘ war.

Arthur wusste immer alles, was mich allerdings wenig beeindruckte.

ich mochte ihn, und das was mich an ihm wirklich beeindruckte war die Art, wie er mit dem Spott und der Häme der anderen umging.

Während ich versuchte beidem auszuweichen, einen Platz zu finden, irgendwie, während ich mich fragte, was zu tun sei, um als ‚ich‘ angenommen und nicht verfolgt zu werden, las Arthur Bücher über Elektrotechnik und Kernphysik. Er erzählte Witze über Wissenschaftler, die keiner verstand.

Das enthob ihn nicht nur unser aller Liga.

Wie er sich über einen solchen Witz stundenlang amüsieren konnte, enthob ihn auch allem Spott, aller Häme.

Gegen Ende unserer Grundschulzeit hatten die anderen ihre Hänseleien längst aufgegeben.

Dass Arthur aufs Gymnasium gehen würde war glasklar, ebenso wie es deutlich war, dass mein Weg zur Hauptschule führen würde. Aber ich versprach ihm, dass wir uns dereinst auf dem Gymnasium wieder sehen würden.

Drei Jahre brauchte ich, und das Glück auf der Hauptschule einen Lehrer zu finden, der das mir voraus eilende Urteil bewusst ignorierte, um ebenfalls aufs Gymnasium zu kommen.

Arthur und ich indes begegneten uns erst ein Jahr nach dem Abitur wieder.

Und es war ein gänzlich anderer Arthur.

Schlank, langhaarig und schön, ein Mädchenschwarm.

Das Abitur hatte er noch mehr vermasselt als ich, und während wir in trauter Runde einen Joint nach dem anderen kreisen liessen, erzählten wir einander vom jeweiligen ‚Früher‘.

Es war ein heißer Tag im August. Wir saßen zu viert unter der Pergola im Garten meines damals besten und einzigen Freundes, er, Arthur, die Frau die ich hoffnungslos liebte, ich. Und jede Menge Gras, Süßgetränke und Bier. 

Wespen nervten uns.

Wir überlegten nach drinnen zu gehen, in den Keller, wo es dunkel und kühl sein würde, und in den Lichtschächten weiter zu kiffen, doch Arthur hatte eine bessere Idee. Dass es sinnlos und gefährlich ist, nach Wespen zu schlagen, war uns klar, aber Arthur schlug vor, wir sollten zu den Wespen sprechen. Buddhisten, so erklärte er, würden Wespen vertreiben, indem sie folgende Worte sprechen:

‚Verschwinde, wir wollen Dich nicht, wir haben Dich nicht gerufen.‘

Seit jenem Tag spreche ich zu Wespen und Bienen. Bei Bienen klappt das immer, bei Fliegen so gut wie nie, bei Wespen meistens.

‚Verschwinde, wir wollen Dich nicht, wir haben Dich nicht gerufen.’…

Diese Worte spreche ich nicht mehr.

Auch nervende Wespen wollen nur leben und sind genau wie wir auf der Suche nach Nahrung. Ich habe mir angewöhnt, sie aufzufordern woanders ihrer Arbeit nachzugehen, und dort fleissig zu sein, und auch das wirkt.

‚Verschwinde, wir wollen Dich nicht, wir haben Dich nicht gerufen.’…

diese Worte tun mir fürchterlich weh. es sind die Worte vor denen ich mich fürchte.

Ablehnung, Ausgrenzung.

ich gehöre nicht dazu. ich soll verschwinden, ich bin nicht gewollt. niemand ruft nach mir.

Noch nicht einmal vor dem Tod habe ich wirklich Angst. Ich weiß, was davor war und danach ist. Gewiss, so richtig angenehm ist das nicht, den Körper zu verlassen, aber wieder zurück ins Licht zu gehen, in die Große Liebe, oder aus ihr wieder hinein zu gehen in die feste Welt.

oder woanders hin… Daran ist kein Schrecken. Wir enden nicht, wir verlieren uns nicht, wir verlieren auch einander nicht. Wir sind eins und viele, und wir schreiben eine Geschichte, die niemals enden wird.

Aber abgelehnt zu werden – das fürchte ich. Das ist meine Angst. Antlitz meines Schattens.

Viele Tränen habe ich geweint am vergangenen Tag.

was bin ich für ein Monster in meinem Schatten.

und ich weiß nicht, was ich tun soll, um dieser Angst Herr zu werden.

und immer wieder drängt der Schatten danach, sich meines Geistes zu bemächtigen, und erzählt Lügen, die mein Herz zu schliessen versuchen.

Und ich weine aus Mitgefühl für mich selbst.

Tränen anstelle von Selbstmitleid.

und ich spüre, dass ich genau diese Haltung brauche, um verbunden zu bleiben in der Liebe.

ich brauche Mitgefühl

Lokah Samastah Sukhino Bhavantu

und künftig will ich keine Wespe mehr fortschicken. So sie kommt, will ich sie einladen teilzuhaben und ihr abgeben, von dem was wir beide begehren.

Und wo immer Arthur jetzt auch sein mag:

möge er glücklich sein, und möge seine Weisheit den Menschen dienen, auf ihrer Suche nach Glück und Wahrheit.

So Gott will, werden wir uns wieder begegnen, auf irgendeiner Höheren Schule des Lebens.

auch dem Ende wohnt ein Zauber inne

 ich kann und will nicht ohne Liebe leben, ohne das Gefühl im Herzen verbunden zu sein mit dem fliessenden Sein, und so sehr hatte ich mir gewünscht den Weg in eine Liebesbeziehung mit einer Frau zu finden, mit der ich das Leben teilen kann, in allen Aspekten, die eine Liebesbeziehung irgendwie ausmachen.

ich hatte mir das so sehr ersehnt, so sehr darauf gehofft, auf meine eigene Art und Weise dafür gebetet, und ich war mir so sicher, dass das auch so kommen würde.

Allein es kam nicht, es geschah nicht.

Und natürlich gibt es Gründe dafür. In und mit ruhigeren Momenten habe ich sie betrachtet, bin ihnen weiter gefolgt in Vergangenes und Gegenwärtiges, und habe dabei einiges heraus gefunden, über mich und andere, über die Liebe selbst und die Vielseitigkeit und Komplexität von Beziehung.

Das hat mich klüger gemacht, auch ein wenig weiser, vielleicht, aber Fragen, selbst gute Fragen, bewegen eher Bewusstheit als Energie.

Erhellend ist nicht dasselbe wie Erfüllend.

Mein Herz, mein Wesen und mein Sein streben aber nicht nach Erleuchtung allein.

Erleuchtung am Arsch. Irgendwann öffnen sich Geist und Herz und das Innere Sehen, und Du erkennst, dass alles verbunden und Eins ist. Dann geht’s ans Kartoffeln schälen und Holz hacken, und Du stehst da und liebst die ganze Welt, bist aber trotzdem allein.

So hatte ich mir das nicht vorgestellt, aber das Annehmen des So-Seins relativiert auch die ganzen Vorstellungen davon.

Diese ganzen Ängste, Erwartungen, Hoffnungen und persönlichen Glaubenssysteme.

Entscheidender denn je ist für mich die Frage geworden, wer ich sein will in all jenen Situationen, in denen ich nicht einfach nur ‚ich bin‘ bin.

Wer will ich sein diesseits jenseitiger Nondualität, auch und gerade in Momenten von Autopilotierung?

ich fürchte, die lässt sich eh nicht so ganz vermeiden.

ich will aber auch zufrieden sein mit mir in Augenblicken blinden Bewusstseins, in Momenten schlummernder Achtsamkeit.

ich will nicht gefühltes Opfer sein meines eigenen Denkens und Handelns.

Licht will ich sein

Liebe will ich sein und Freiheit,

einen Teil der Welt erschaffen aus mir, und nicht mich erschaffen lassen von der Welt.

was ich suchte wird mich woanders finden müssen. oder auch nicht.

Alles Liebe

Alexander

19.05.22 – 0027

vergangene Woche im Ashram wogte meine Antwort auf die Frage ob ich dort als Sevaka leben, lernen, dienen und wirken möchte hin und her, zwischen meinem Herzen und meinem Kopf.

und kaum hatte ich den Ashram verlassen, klärten sich die Fragen in meinem Kopf:

Ja. Ich will dort leben.

um durch Dienen zu lernen, mit offenem Herzen zu leben.

um Yoga zu lernen.

um für das Gute, Wahre und Schöne zu wirken.

und um zu lieben. 

Doch Swami Divyananda antwortet nicht, und mein Mangel an Geduld stellt Fragen, die meine Wunden berühren und meine Muster reflektieren. Fragen die mir nicht beantworten, warum sie nicht antwortet, Fragen die viel mehr weh tun.

Und doch sind es diese Fragen, die weh tun, die entscheidend sind, eben weil sie weh tun, und ihre Antworten helfen zu ent-täuschen.

Wir täuschen uns alle. Wir alle machen uns etwas vor, und treffen Entscheidungen, bewusst oder unbewusst in einem Spannungsfeld falscher Annahmen, guter Hoffnungen und deprimierender Ängste, und nur Erkenntnis mag Licht sein in diesem Nebel aus Gedanken und Gefühlen.

schweigende Antworten haben sich in den vergangenen Monaten ja irgendwie zu einem echtem Phänomen entwickelt, aber am Ende aller Fragen blieb und bleibt immer nur die Frage, wer ich sein will, verbunden mit der Frage, was ich tun kann, um das oder derjenige zu sein.

Im Ashram kristallisierte sich für mich heraus, dass ich nirgendwo wirklich erwünscht bin, und es von daher auch keine Rolle spielen würde, ob ich dort bliebe oder nicht. An jedem Ort werde ich mir einen Platz verdienen müssen, und so einigermaßen wird das nur funktionieren, wenn ich mein Wissen in Kraft verwandle.

Und jahrelang beschäftigte mich die Frage, warum mir das nicht gelingt.

Yoga beantwortet diese Frage.

es reicht nicht zu wissen – es gilt zu tun.

es geht um Sadhana, um das Üben, um das Praktizieren. Ums Tun.

Daraus entsteht Kraft.

Genauer gesagt, ums richtige Tun, aber auch da formuliert Yoga das Wissen um das richtige Tun.

es wäre so schön und hilfreich, könnte ich dort im Ashram hinein wachsen ins Richtige Tun, mein Wissen in Kraft verwandeln, in Sein und in Können, zu meinem und zum Wohle aller.

Aber wird Swamiji antworten?

Und wenn ja: was wird sie sagen?

Nun… wie immer die Antwort lauten oder schweigen wird: ich will sie annehmen.

ich will sie annehmen, weil es ob so oder so wieder zu der Frage führen wird, wer ich sein will, und zumindest das ‚was‘ ohnehin schon fest steht:

Liebe will ich sein

und Kunst

und Freiheit.

19.05.07 – 0117

ich bin nicht krank.

Nicht etwa weil ich das nicht wäre, oder weil tatsächlich unsere ganze Zeit und Welt krank ist. Und sehr wohl hat das Eine auch mit dem anderen zu tun, aber was hilft das? und wem?

ich bin nicht krank, weil ich den Zustand von Krankheit nicht akzeptiere, ihn nicht hinnehme, und das aus zwei Gründen.

Zum Einen erscheinen mir die therapeutischen Methoden als eher fragwürdig denn hilfreich. Ohne Zweifel: sie können hilfreich sein, aber für wen, und welche Zielsetzung, welcher Horizont und welches Weltbild stecken darin?

Soll ich rasch wieder fit werden für den Markt und unterwegs als Patient nutzbringend sein für Pharmaunternehmen und Therapeuten?

Alles irgendwo im Rahmen von Normal? Normiert?

Unser Leben, unsere Existenz und damit mein Leben und meine Existenz ist ein Wunder.

Und die Maßstäbe an denen das gemeinhin gemessen wird, schlimmstenfalls als Erfolg, bestenfalls als Glück sind beide kurzsichtig. Und verraten über Erfolg wie über Glück eher wenig.

Beides ist mehr Frage von Gnade als Mühe.

Zum Anderen, und eigentlich Entscheidenderem:

anzunehmen, ich sei krank nagelt mich fest in den Vorstellungen, die andere davon haben. Tatsächlich aber hat meine Heilung eher damit zu tun, mich von Vorstellungen zu befreien, an die mich selbst genagelt habe und habe nageln lassen.

Mein subjektiv erlebtes Außen ergibt sich aus meinem objektiv konstruiertem Innen.

Mein Glauben erschafft meine Welt.

Das ist der ‚Zaubertrick‘, nur dass es mir nie gelang dem Innen Herr zu werden, Herr meiner Gedanken, Herr meines Denkens.

Ob das überhaupt möglich ist?

Ich denke schon, wenngleich auch nur in begrenztem Maße.

Wie die meisten Menschen weiß auch ich eher, was ich nicht will, denn was ich will, definitiv aber nicht, was ich noch wollen könnte, von dem ich noch gar nichts weiß.

Und ganz konkret betrachtet sind es bei mir Gedanken der Wert- und Sinnlosigkeit, der Hoffnungslosigkeit, die sich in allerlei Gewändern getarnt immer wieder Zugang zu meinem Bewusstsein verschaffen.

Erlebtes Leid, vergebliche Liebe, Verlassenheit, eingebrannt in Körper und Gefühl, tausendfach erklärt, ein nimmer endendes Echo, jedes Empfinden und Betrachten eine negative Verstärkung.

Inzwischen bin ich soweit anzunehmen, alles und jeder lehne mich ab.

Das ist Unsinn, und ich weiß das.

Trotzdem ist dieses Gefühl schwer zu bändigen.

Warum ist das so?

Ich mag nicht glauben, es läge nur an einem unausgewogenen Verhältnis der Neurotransmitter.

Oder verdrängtem Erleben, einer bescheidenen Kindheit, einem Mangel an griffigen Analysen, oder inadäquater Bewältigungsstrategien.

All das spielt zwar eine Rolle, aber ich denke, entscheidend ist meine Kompetenz und Stärke selbst zu wollen, und zu wissen, wer ich selbst sein will, und zwar soweit als möglich unabhängig vom sozialen Kontext. Eine Stabilität, die sich nicht erschüttern, biegen oder brechen lässt, die sich nicht anpasst, an nichts und niemanden, ein Ich, das bleibt.

In dieses Ego muss ich einziehen.

Ist das Größenwahn? oder Hybris?

vermutlich wäre es das ginge es mir um Wiederfahren, um Resonanz, um Erfolg. Aber es gibt kein Recht auf Gnade, vielleicht aber auf Glück? Nicht auf ein Glück, das von außen kommt, sondern jenes, das dem Leben inne wohnt?

auf jeden Fall gibt es ein Recht sein Leben einem Gedanken zu widmen, einem Tun. 

und Tat und Gedanke sind mir schon lang bekannt: Liebe, Kunst und Freiheit.

Allein von den Gedanken, was das zu bringen hat, was es bewirken soll, muss ich mich lösen, soll es etwas bringen, etwas bewirken. 

Liebe will Lieben, nicht Beziehung.

Kunst will zeigen, nicht darstellen.

Und Freiheit Bewusstsein, nicht Macht.

Meine ganze Krise ist Chance. Chance daran ein- und unter zu gehen, oder zu verstehen und umzusetzen.

ich bin nicht krank – ich bin ich.

19.04.30 – 2250: Walpurgisnacht

suchen, finden? wen? wozu?

ich bin nicht der, der ich sein will, noch nicht. und auch das ist eine vielschichtige Angelegenheit, denn kein Mensch ist eine Insel, oder doch?

Ist doch jede Insel, gleichwohl von anderen Inseln durch den Ozean getrennt, durch die Erde selbst verbunden mit ihr und allen anderen.

ich wünschte mir eine Gefährtin, einen gemeinsamen Weg durch dieses spannende Leben, diese spannende Welt.

ein Füreinander-Sein, Erfüllung…

aber liegt dem Gedanken an Fülle nicht schon der Mangel gegenüber?

bedingt das eine das andere?

Ob es nun Defizite meinerseits sind, und die sind fraglos vorhanden, oder ob es Schicksal ist, Karma, Vorsehung oder Aufgabe: aus meiner Suche wurde kein Finden, und ich will das akzeptieren.

Unbenommen bleibt mir der Gedanke, dass ich gut bin, wie ich bin, aber gut genug für andere Menschen? Für einen anderen Menschen? Für mich selbst?

Ich werde mir vermutlich nie selbst genug sein, aber diese Welt und dieses Leben in ihr sind so komplex und so wunderbar. Das wird mir genug sein, auch ohne Liebesbeziehung, ohne ein Du, ohne ein Wir.

Es tut weh, aber ich will die Einsamkeit umarmen.

Vielleicht gibt es auch keinen anderen Weg Eins-Sein zu erfahren, vielleicht gilt das aber auch nur für mich?

Ich weiß es nicht. Ich bin nur einer von Unzähligen in einem Kosmos, der schwer zu erkennen ist, nur eine Insel.

19.04.25 – 0123

ich bin so enttäuscht, dass ich es nicht in Worte fassen will. unweigerlich folgen auch so schon Gedanken, die mein Herz in die Tiefe ziehen.

Konstruktiv, nein eher operativ ist die Frage worin genau ich mich täusche und täuschte.

Schmerzen in meinen Fingern weisen mich auf den gefrässigen Abgrund des Selbstmitleids hin, und ich will das Spezielle nicht verallgemeinern.

ich will gestärkt aus all dem hervor gehen, mittiger, zentrierter, verbundener, und nicht verwundeter, als ich eh schon bin.

und hey: ich habe mir gestern Inliner zugelegt, und letzte Nacht, nun ja – eher an, als ausprobiert.

Als Kind hatte ich mir mal sehnlichst Rollschuhe gewünscht, und auch bekommen. Allerdings hat mir nie jemand gezeigt, wie man damit fährt. Protektoren gab es damals noch gar nicht, und nachdem jeder Versuch von mir immer schnell auf den Knien oder dem Arsch endete, hatte ich die Sache ziemlich schnell aufgegeben. Selbiges übrigens bei Schlittschuhen. Da war ich elf oder zwölf, und nachdem ich sogar an der Bande mich festhaltend dauernd nur hingefallen bin, beschloss ich ’sowas‘ künftig sein zu lassen. Man muss sich wirklich nicht körperlich schmerzhaft zur Zielscheibe von Spott und Gelächter machen. 

Auf die Idee Inlineskating zu lernen, kam ich erst Jahre später. Ich kann gar nicht sagen, wann das war. Irgendwann stand es auf meiner Bucket-List (auf der übrigens noch einiges steht).

Und nun hat mein Töchterchen von ihren Großeltern zu Ostern Rollschuhe bekommen. Aber niemanden, der ihr zeigt, wie es geht – außer mir.

Nachdem sie am Sonntag damit gestürzt ist, und ich wenig mehr tun konnte, als sie zu trösten und sie zu einer unspezifischen Gleichgewichtsübung anzuleiten, habe ich ihr versprochen, es mit ihr zusammen zu lernen.

Unserer Zeit und Youtube sei Dank, gibt es heute im krassen Gegensatz zu meinen persönlichen Erfahrungen sogar Anleitungen für Leute die das nicht auf Anhieb können. 

Danke lieber Gott für das Internet.

19.04.20 – 0220

was ein wunderschöner Tag 🙂

und ich?

ich schlafe. ich schlafe den ganzen verdammten Tag lang.

und in meinem Kopf flüstert eine Stimme ‚Bring Dich um‘.

Mais non!

Carpe Noctem!

es gibt so viel aufzuräumen!

19.04.19 – 0140

die Nacht vibriert – es ist Vollmond, aber ich habe den Eindruck, das betrifft nur mich allein.

das wäre eine gute Nacht zum Tanzen, allein allein allein…

19.04.18 – 0100

meine Laune bessert sich endlich, trotz diesem, aber weil jenem.

spielt es eine Rolle warum?

Ja, natürlich tut es das.

Die unerledigten Dinge belasten mich, und verstellen mir den Blick auf meine Vision. Außerdem bin ich verliebt, ein wenig.

Sie hat bemerkenswerte Augen.

Spielt das eine Rolle?

Oh ja. Mehr als alles andere interessiert mich bei Frauen, was ihre Augen zum Ausdruck bringen.

ich glaube wir könnten tollen Sex miteinander haben, aber ich kann und will das ja auch nicht von Liebe trennen.

Ab hier könnte man es als kompliziert betrachten, weil ich es uns mit dem einen oder anderen verbauen könnte, allerdings denke ich mir dazu:

bleib locker

19.04.17 – 0000

meine Obdachlosigkeit eilt mir mit großen Schritten entgegen. in zwei Wochen schon bin ich ohne Dach über dem Kopf, wobei ich meine Dusche jetzt schon vermisse. ich halte sogar schon unterwegs nach Bächen Ausschau, wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin. Autofahren darf ich ja nicht mehr, dh ich darf zwar Auto fahren, aber nicht mehr mit meinem Auto. Wie ich vermutet habe, sind schon Leute beauftragt, mein Fahrzeug still zu legen. Sie haben es nur noch nicht gefunden. Sei‘s drum, aber in einem fiktiven Gespräch werde ich gefragt, wo ich wohne, und ich antworte ‚Nirgendwo‘.

‚Wie? Nirgendwo?‘

was soll ich dann antworten?

‚ich bin obdachlos‘

ist das so? rein technisch betrachtet würde das stimmen, aber die Erklärung die damit mit schwingt gefällt mir nicht.

ich bin heimatlos.

ich habe kein Zuhause mehr.

Zuhause ist für mich ein Ort, wo Menschen sind, die ich liebe und die mich lieben.

Zuhause ist für mich ein Ort im Herzen.

Das sind spannende Zeiten, die auf mich zu kommen.